COLLECTIONS | COLLECTOR

Hans Leder (1843-1921)

Hans Leder wurde 1843 in Jauernig/Javornik bei Troppau in Österreichisch-Schlesien (heute Opava in Tschechien) geboren. Er begab sich schon früh eigenständig als Naturforscher, in erster Linie als Entomologe, ins Ausland - zunächst nach N-Afrika. Im Frühjahr 1875 begab sich Leder auf eine zweijährige wissenschaftliche Reise in den Kaukasus. Diese Forschungsreise erwies sich als ungeahnt erfolgreich; Leder entdeckte eine Vielzahl bisher unbekannter Insektenarten, welche später von europäischen Entomologen beschrieben und bestimmt wurden. Die von ihm entdeckten und gesammelten Exemplare tragen die Bezeichnung „Lederi“.  Er kehrte danach beinahe jährlich in den Kaukasus zurück und erforschte die Gegenden meist zu Pferd. Im Jahr 1882, nach seiner Heirat, zog er gemeinsam mit seiner jungen Frau in den Kaukasus und blieb bis 1888 in der deutschen Kolonie Helenendorf bei Elisabethpol. Vier der sechs Kinder des Paares wurden in Helenendorf geboren.
1888 kehrte Leder nach Österreich zurück, hielt sich eine Weile in Mödling auf, um als „Privatgelehrter“ gemeinsam mit Edmund Reitter, der eine entomologische Buchhandlung führte, die Sammlungen aus dem Kaukasus zu bearbeiten.
Dank der erfolgreichen entomologischen Forschungsergebnisse aus dem Kaukasus erhielt Leder 1891 den direkten Auftrag des Großfürsten Nikolai Michailowitsch Romanow, Präsident der kaiserlich russischen geographischen Gesellschaft, nach dem südlichen Ost-Sibirien zu reisen, um dort insgesamt beinahe drei Jahre lang seine Forschungsarbeit - in erster Linie Insekten zu sammeln - fortzusetzen. Die Orte für seine Forschungen wurden von Leder nach eigenem Ermessen gewählt. Als er nach einigen Monaten Aufenthalt im Sajan-Gebirge erkannte, dort kaum weitere neuartige zoologische Entdeckungen machen zu können, fasste er den Entschluss, weiter nach Süden, in die Mongolei, zu fahren. In der mongolischen Hauptstadt Urga (Ikh Khüree) organisierte er eine kleine Karawane, welche ihn nach Karakorum, der ehemaligen Hauptstadt des mongolischen Reiches, und dem Kloster Erdene Zuu (siehe Historic Travels) führte. Diese erste Reise wird von Leder in mehreren Artikeln beschrieben und die Reiseroute ist auf einer Landkarte festgehalten.
Auf folgenden Reisen in die Mongolei (1899, 1900, 1902, 1905/06)  begann Leder vorwiegend mongolisch-buddhistische Ritualobjekte zu sammeln und den mongolischen Buddhismus zu erforschen. Nach seinem letzten Forschungs- und Sammelaufenthalt in der Mongolei 1904/05 lebte Leder in Troppau, bemüht seine Sammlungen zu verkaufen, um seine Familie zu erhalten. Im Jahr 1921 starb er in Katharein bei Troppau. (M.-K. Lang)